Waldumbau im Forstrevier Freising

Herbert Rudolf

Die Walder rund um das Landesarboretum gehören - wie dieses - zum Forstrevier Freising. Sie stehen der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf als Lehrobjekt zur Verfügung und werden von den Bayerischen Staatsforsten (Forstbetrieb Freising) bewirtschaftet.

Der Waldaufbau ist bis heute geprägt durch historische Ereignisse. Akuter Holzbedarf und  Reparationsverpflichtungen führten in den 1920er und 1940er Jahren zu großflächigen Kahlschlägen. Mit dem Anspruch möglichst rasch wieder aufzuforsten, pflanzte man damals vor allem Fichten. Robust gegenüber Hitze, Frost und Wildverbiss gedeihen diese auf der Freifläche zunächst ganz gut. Außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes sind solche Monokulturen aber anfällig gegenüber Stürmen, Borkenkäfern und anderen Schädlingen. Im Übermaß angebaut führen sie schließlich zu einer Verarmung des Ökosystems Wald.

Von Natur aus würden im Freisinger Norden, wie auch im gesamten Tertiären Hügelland, vorwiegend Buchenwälder in Mischung mit Tanne, Eiche und weiteren Laubbäumen wachsen.

Aus diesem Grund befindet sich das Revier Freising seit Mitte der 1980er Jahre in einem Prozess der Umgestaltung, weg vom Fichtenforst - hin zum Mischwald, weg vom gleichförmigen Altersklassenaufbau - hin zum vielgestaltigen Dauerwald. 

Das bedeutet im Einzelnen:

  • Ausformung stabiler, gut bekronter Einzelbäume und Baumgruppen,
  • Pflege zukunftsfähiger Bäume im Zwischenstand, damit diese später in den Hauptbestand aufrücken können,
  • Förderung der natürlichen Ansamung,
  • Pflanzung von Buche, weiteren Laubbaumarten und Tanne dort, wo keine Samenbäume für die natürliche Verjüngung zur Verfügung stehen.
  • Das alles unter dem schützenden „Schirm“ der Altbäume, die nur allmählich und stets einzelbaumweise genutzt werden.
  • Die letzten Bäume der Vorgängergeneration werden idealerweise erst dann gefällt, wenn die Vertreter der nachfolgenden Waldgeneration schon wieder stattliche Größen erreicht haben.

Auf diese Weise entwickelt sich eine mosaikartige Waldstruktur mit kleinräumigem Wechsel von dicken und dünnen Bäumen, Laub- und Nadelbäumen, hellen und dunklen Bereichen. Mit der wohldosierten Nutzung einzelner, erntereifer Stämme entsteht immer wieder neuer Wuchsraum für benachbart stehende, schwächere Exemplare. Das tut auch dem allerorten sprießenden Jungwald gut. Er wird jedem Nutzungsdurchgang ebenfalls gefördert und wächst in den entstandenen Lücken dem Licht entgegen.

Stufige und gemischte Wälder dieser Art sind nicht nur reich an beeindruckenden, starken Bäumen, sie liefern auch nachhaltig wertvolles Holz. Gegenüber den Folgen des Klimawandels sind sie deutlich widerstandsfähiger, man kann auch sagen resilienter, als die früheren Fichtenforste. 

Im englischsprachigen Raum wird Dauerwaldwirtschaft sehr treffend als perpetuum forestry bezeichnet.

Teil dieser Zukunftsvorsorge sind auch gezielte Maßnahmen des Arten- und Biotopschutzes, z.B.: Anlage von Kleingewässern, Beweidung und Mahd von Waldwiesen, Offenhalten von Trockenstandorten.

Eine besondere Pflege erfahren dabei die Waldränder. Entlang der Straßen und im Übergang zur Feldflur bekommen lichtbedürftige und standfeste Baumarten (Eichen, Kiefern, Wildkirschen...) besonders viel Raum um breite Kronen auszubilden. Von diesen lockeren Randstrukturen profitieren insbesondere die heimischen Sträucher. Mit ihrer Fülle an Blüten und Früchten beherbergen sie eine ganze Lebewelt von Insekten und Vögeln.

Horst- und Höhlenbäume sowie besonders charaktervolle, alte Baumriesen sind von der Nutzung ganz ausgenommen. Auch die immer wieder vorzufindenden toten Baumstämme wurden nicht aus Nachlässigkeit im Wald belassen. Verrottendes Holz, in Form abgestorbener oder umgestürzter Bäume, bedeutet ein Stück Wildnis im Wirtschaftswald und bietet Lebensraum z.B. für selten gewordene Käferarten.

Durch diese Schutzmaßnahmen ist nachhaltige Forstwirtschaft in der Lage die Pflege der Kulturlandschaft (Holznutzung) mit der Bewahrung des einzigartigen Naturerbes Wald zu verbinden. 

Mit Hilfe moderner Holzerntemaschinen hat sich die Unfallgefahr für die im Wald arbeitenden Menschen deutlich verringert. Bei guter Praxis gelingt es dabei den Waldboden sowie den verbleibenden Baumbestand bestmöglich zu schonen.

Natürlich wird der begonnene Waldumbau noch weitere Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Doch schon heute sind viele Bestände dem Ziel schon ziemlich nah. Mit jedem Pflegedurchgang werden sie bunter, mannigfaltiger und klimaresilienter. Als vielbesuchter Erholungsraum stellen sie unter Beweis, dass das Zweckmäßige auch schön sein kann.